Karte soll Hinweise zu Naturgefahren in Graubünden liefern, © Keystone / SDA / Archivbild
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Karte soll Hinweise zu Naturgefahren in Graubünden liefern

Das Bündner Amt für Wald und Naturgefahren will das Risiko von Naturgefahren genauer einschätzen können. Es beauftragte deshalb die Berner Fachhochschule, Gefahrenhinweiskarten für den ganzen Kanton zu erstellen.

02.04.2025

"Für rund zehn Prozent der Kantonsfläche haben wir Gefahrenkarten, die insbesondere Siedlungsgebiete mit den Bauzonen abdecken. Für die Gebiete dazwischen gibt es keine detaillierten Informationen", sagte Andreas Huwiler, Leiter der Abteilung Naturgefahren und Schutzbauten beim Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) im Gespräch mit Keystone-SDA.

Bis Ende 2027 will das Amt für Wald und Naturgefahren die Erarbeitung aller Gefahrenhinweiskarten für Lawinen, Rutschungen, Hochwasser und Erdrutsche abschliessen. Kürzlich wurde im Amtsblatt die Vergabe an die Berner Fachhochschule für die Erstellung der Gefahrenhinweiskarte für spontane Rutschungen veröffentlicht.

Zwei verschiedene Prozesse bei Rutschungen

"In diesem Bereich unterscheiden wir zwischen zwei Prozessen: permanente Rutschungen, die Jahrzehnte oder Jahrhunderte andauern, wie im Fall von Brienz GR, und spontane Rutschungen. Letztere entstehen zum Beispiel, wenn starke Regenfälle auf ein steiles Gelände treffen", erklärte Huwiler.

Der Kanton möchte mehr über den letztgenannten natürlichen Prozess erfahren. "Es gibt viele Infrastrukturen, die über das Gebiet verstreut sind, zum Beispiel Hochspannungsmasten, über die wir derzeit wenig Informationen zur Gefahrensituation haben. Eine Gefahrenhinweiskarte kann uns helfen, das Ausmass der Risiken besser einzuschätzen und so die Infrastrukturen besser zu schützen", so der Amtsleiter weiter.

Überblick über den ganzen Kanton

Anhand eines Beispiels aus der Stadt Chur zeigte Huwiler auf, das bisher nur eruiert wurde, ob eine generelle Gefahr besteht oder nicht. „Mit einer besseren Datengrundlage wird es möglich zu sagen, wie intensiv und häufig diese Phänomene sein werden“, so Huwiler weiter.

Dies ist einer der grossen Unterschiede zu den Gefahrenkarten, die nur einen kleinen Teil der mehr als 7000 Quadratkilometer Graubündens abdecken. Erst diesen Donnerstag wird die Gefahrenkarte von Sorte in Mesolcina, das vom Hochwasser im Juni 2024 stark betroffen war, vorgestellt. Gefahrenhinweiskarten hingegen sind weniger präzise und werden anhand von Berechnungen und mathematischen Modellen erstellt.

Dennoch seien sie trotz einer gewissen Ungenauigkeit nützlich. "Sie helfen uns bei der Verifikation von Gefahrenkarten, um zu verstehen, wo es mögliche Defizite gibt", so der Amtsleiter. Ausserdem können die Experten mit den neuen Gefahrenhinweiskarten die Wirksamkeit von Schutzbauten oder den Nutzen von Schutzwald nachweisen.